Anja Steinbach Frauen in der Mathematik
Frauen können heute selbstverständlich das Abitur machen. Genauso
selbstverständlich können sie sich für einen mathematischen
Studiengang entscheiden. Wirklich?
Dem nicht unter den Mathematikern, aber wohl in der Öffentlichkeit
gängigen Vorurteil, Frauen seien für Mathematik "ungeeignet",
möchten wir Fakten entgegenstellen.
Studentinnen der Mathematik an der Universität Gießen
An der Universität Gießen liegt der Anteil der Studentinnen im
Diplomstudiengang bei etwa 25% und im Lehramt für Gymnasien bei 40%. (Im
Studium für das Lehramt für die anderen Schulformen liegt er bei gut
80%.) Damit studieren Frauen die Mathematik an der Universität
Gießen nicht in einer reinen Männerwelt. Und sie studieren nicht
weniger erfolgreich als ihre männlichen Kommilitonen.
In den Veranstaltungen fühlen sich Studentinnen gleichberechtigt, weder
benachteiligt noch bevorzugt. Sie sind in der Mathematik in Gießen
keinesfalls exotisch, aber eben im Diplom- und L3-Studiengang noch
unterrepräsentiert. Wir möchten daher speziell Frauen ermuntern,
Mathematik zu studieren und zu entdecken, dass Mathematik nicht allein aus
komplizierten, unverständlichen (und zudem nutzlosen) Formeln besteht, wie
uns manch "Uneingeweihter" glauben machen will.
Förderprogramme
An den Universitäten ist im allgemeinen der Anteil der Frauen unter den
Mitarbeitern und Professoren in der Mathematik geringer als der Anteil der
Studentinnen. Für den öffentlichen Dienst allgemein gibt es daher
spezielle Förderprogramme für Frauen. (In den Berufsfeldern der
Wirtschaft sind die Personalverantwortlichen gefragt.)
An der Universität Gießen gibt es zwei hauptberufliche
Frauenbeauftragte (Homepage der
Frauenbeauftragten der JLUG). Sie werden von ehrenamtlich tätigen, so
genannten dezentralen Frauenbeauftragten in den Fachbereichen
unterstützt, die als Ansprechpartnerinnen vor Ort zur Verfügung stehen.
Es gibt Weiterbildungsveranstaltungen speziell für Frauen an der Universität
(auch für Studentinnen), zum Beispiel zu den Themenkreisen "Rhetorik",
"Miteinander arbeiten" oder "Bewerbungstraining". Frauenförderung
beinhaltet des weiteren Gelder für Stipendien, Frauenforschung (mit einer
Professur am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften), Vorlesungen zu
frauenspezifischen Themen (mit einem speziellen Frauen-Vorlesungsverzeichnis)
und die Einladung von qualifizierten Kandidatinnen zu
Vorstellungsgesprächen.
Netzwerke
Frauen im Lehrkörper können Vorbilder und Identifikationsfiguren sein
und als Multiplikatoren wirken. Es ist wichtig, dass Frauen untereinander
Informationen austauschen und Netzwerke bilden. Hierzu gibt es vielfältige
Organisationen speziell für Frauen in Naturwissenschaft und Technik.
Wir möchten für die Mathematik nur "European Women in Mathematics (EWM)"
nennen. Das wesentliche Ziel von EWM ist es, Frauen, die Mathematik studieren, in der
mathematischen Forschung arbeiten oder eine solche Arbeit anstreben, zu
unterstützen und zu ermutigen.
Auf Treffen (wie zum Beispiel der Tagung der deutschen Mathematikerinnen, zu der es Links auf der
deutschen EWM-Homepage
gibt) können Studentinnen Kontakte zu Frauen in vergleichbarer oder schon
fortgeschrittenerer Position knüpfen. Es ermutigt ungemein, Beispiele von
Frauen zu sehen, die ihren Weg erfolgreich gehen.
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